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Das Zauberwörtchen „zuckerfrei“

goodfood-blog by Dr. Alexa Iwan_ zuckerfrei Backen

Liebe Leute an der Rezeptentwicklungsfront!

Ich möchte hier einmal meinen Unmut über den zum Teil sehr fahrlässigen Umgang mit dem Wörtchen „zuckerfrei“ äußern. Zuckerfrei ist ein Schlagwort (neudeutsch: tag), welches LeserInnen anzieht, denn viele Menschen möchten möglichst wenig Zucker zu sich nehmen. Wenn man im Internet nach etwas Bestimmtem sucht, sind Schlagwörter ziemlich praktisch und weniger Zucker zu essen ist auch ziemlich gut. So weit, so gut also.

Nicht gut ist allerdings, dass im Internet haufenweise Rezepte rumschwirren, die als „zuckerfrei“ getaggt sind – in Wirklichkeit jedoch alles andere als zuckerfrei sind. Als ob wir nicht schon genug Verwirrung und Verunsicherung auf diesem Gebiet hätten…

Hier ein Beispiel: neulich stieß ich auf ein Energyball-Rezept aus Trockenpflaumen. Trockenpflaumen sind ein prima Energielieferant, deshalb kann man auch ganz prima Energyballs draus machen – eben weil sie natürlicherweise eine ganze Menge Zucker enthalten. Trotzdem war das Rezept mit „zuckerfrei“ getaggt. Wie kann das sein? Ich nehme an, was der oder die Autor/in gemeint hat, ist sicherlich dieses: den Energyballs wurde kein Zucker zugesetzt. Das ist allerdings etwas komplett anderes als zuckerfrei.

Laut offizieller Definition darf ein „zuckerfreies Lebensmittel“ nicht mehr als ein halbes Gramm Zucker pro 100 Gramm des Lebensmittels enthalten. Und dabei ist es egal, ob der Zucker zugesetzt wurde oder natürlicherweise in dem Lebensmittel enthalten ist.

Lieber Verbraucherinnen und Verbraucher! Lasst euch also bitte nicht in die Irre führen. Ein Rezept zum Beispiel, in dem Früchte verarbeitet werden, kann niemals zuckerfrei sein. Wenn das dran steht, ist es Quatsch. Denn Obst enthält nun mal Zucker. Und so ist ein „zuckerfreier Schokoladen-Dattel-Kuchen“ ebensolcher Blödsinn wie „zuckerfreie Apfel-Waffeln“ oder „zuckerfreier Rüblikuchen mit Aprikosenpüree“. Ganz besonders irrsinnig wird das Ganze übrigens, wenn Trockenfrüchte als Zutaten verwendet werden, denn in diesen ist der Zucker noch einmal höher konzentriert als in frischen Früchten. Auch Agavendicksaft oder Ahornsirup haben – bloß weil es natürliche Süßungsmittel sind – in zuckerfreien Rezepten nichts verloren.

Nun mögen meine Einwände dem einen oder anderen vielleicht etwas erbsenzählerisch vorkommen. Und ich möchte auch überhaupt nicht sagen, dass obige Rezeptbeispiele per se schlecht sind. Im Gegenteil: sie sind meist sehr lecker und durchaus auch gesund. Aber eben nicht zuckerfrei. Und es gibt eine große Gruppe von Menschen, die keine Zeit haben sich bis ins letzte Detail mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen. Und wir Ökotrophologen sind am Ende diejenigen, die in der Ernährungsberatung auf Kunden treffen, die tatsächlich glauben, mit einem „zuckerfreien Bananenshake“ überhaupt keinen Zucker konsumiert zu haben. Weil’s am Rezept so dabei stand….

Deshalb: lasst uns doch bitte alle bei den Fakten bleiben.

Zuckerfrei heißt „ohne Zucker“, Punkt.

Alles andere heißt: „kein extra Zucker zugesetzt“ oder ggf. auch „zuckerarm“ (wenn weniger als 5g Zucker pro 100g Endprodukt enthalten sind).

Ich selbst versuche übrigens auch in meinen Rezepten so wenig Zucker wie möglich zu verwenden. Wenn ich Kuchen mit wenig Zucker backe, heißt dieser bei mir „zuckerreduziert“.

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