Dr. Alexa's Ansichten

Drei Wochen ohne Zucker: mein Selbstversuch (Woche 1)

Ohne Zucker – Dr. Alexa Iwan

Seit Monaten lese ich im Internet und auf diversen Social Media-Kanälen Aussagen von Menschen, die sich „wie neugeboren“ fühlen oder die „endlich wieder Mensch“ sind – seitdem sie nach der Zauberformel „I quit sugar“ (übersetzt: ich habe mich vom Zucker verabschiedet) leben.

Machen wir uns nichts vor: komplett ohne Zucker zu leben, ist unrealistisch. Dafür müsste man eine strenge Atkins-Diät einhalten und das ist ganz sicher kein Spaß. Was die Menschen, die ich oben zitiert habe, tun, ist: auf weißen Haushaltszucker sowie Produkte mit Zuckerzusatz verzichten. Sie verwenden natürlich süße Produkte wie Obst, aber eben keine künstlich gezuckerten Lebensmittel. Und davon gibt es ja bekanntlich eine ganze Menge.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eine Frau der Mitte bin. Extreme sind nicht mein Ding. Aber ich bin auch Journalistin und sehr neugierig. Und nun war ich am vergangenen Montag bei einer Darmspiegelung. Dafür muss man seinen Darm einmal komplett entleeren (mit Hilfe diverser Mittelchen). Und während ich nun also nach der Untersuchung so auf der Aufwachliege lag und langsam wieder zu mir kam, hatte ich eine Idee. Ich könnte diesen „Reset“ in der Nahrungsaufnahme doch für einen kleinen Selbstversuch nutzen.

Fühlt man sich tatsächlich besser, wenn man keinen Haushaltszucker zu sich nimmt?

Tja, was soll ich sagen… Mein Selbstversuch scheiterte (vorläufig) bereits in Minute 5, nach dem ich ihn begonnen hatte. Die freundliche Arzthelferin hatte mir nämlich einen kleinen Keks neben meine Tasse Aufwachtee gelegt. Und noch bevor ich drüber nachdenken konnte, war der Keks schon in meinem Mund. Na, das fängt ja gut an…

Doch ich war gewillt und motiviert ab sofort strenger mit mir selbst zu sein. Was auch überhaupt kein Problem war. Ich bin von Natur aus kein Süßigkeiten-Junkie. Am Nachmittag aß ich Pfirsiche und Blaubeeren anstelle eines Kekses. Einfach lecker.

Abends erwischte mich dann allerdings wieder eine Gewohnheit. Da ich den ganzen Tag über meist nur Tee und Wasser trinke, mag ich abends gerne eine Fassbrause. Die enthält weniger Zucker als normale Limo, aber es ist eben Zucker. Also schnell wieder weg mit der Flasche – auch wenn ich die ersten drei Schluck schon getrunken hatte.

Tag 2 startete unproblematisch. Ich esse morgens immer Müsli mit Obst und es machte mir überhaupt nichts aus, auf meine gewohnte Mischung mit Crunchy-Müsli zu verzichten und nur Haferflocken und Hanfsamen unterzumischen. Gerade im Sommer ist das Obst so süß, das reicht vollkommen. Während der Arbeit musste ich dann allerdings erneut eine Lakritz-Fledermaus ausspucken, die auf dem Studiotresen in einer Schüssel angeboten wurde und fast von alleine in meinen Mund geflattert war…

Erste Erkenntnis nach zwei Tagen: krass, wie automatisch man manche Dinge tut…

Tag 2 war übrigens ein sehr warmer Tag. Als ich abends vom Studio heim fuhr, kam ich an der (sehr, sehr guten!) Eisdiele unseres Ortes vorbei. Kurz habe ich überlegt, ob ich für meine Familie Eis mitbringen soll. Aber nein, das ging ja nun nicht. Das fand ich – ganz ehrlich – ziemlich doof.

An Tag 3 hatte ich das Gefühl im Experiment angekommen zu sein. Es war aber auch nicht schwierig für mich. Ich hatte weder Kopfschmerzen, noch Gelüste, noch schlechte Laune, noch sonst irgendein Symptom, mit dem Menschen auf Zuckerentzug ansonsten kämpfen. Ich war nicht auf Entzug. Ich habe meine Ernährung einfach nur ein bisschen „umsortiert“. Anstelle eines Stück Kuchens am Nachmittag habe ich mir einen Smoothie gemixt – auch wenn ich vorher beim Einkaufen durchaus gedacht hatte, dass der Mohnkuchen beim Bäcker ziemlich lecker aussah. Abends hatten wir Besuch und es wurde Schokolade genascht. Aber nur von den anderen. Ich habe Nüsse gegessen. Alles easy.

Tag 4: es lief. Und ich grübelte. Kann es wirklich sein, dass das Ganze so einfach ist? Zumindest für jemanden wie mich, der zwar ab und an nascht, aber keine Unmengen an Zucker isst? Ich wurschtelte mich durch den Tag, knabberte Nüsse und Obst und hatte das Gefühl mich tatsächlich noch ein bisschen besser zu ernähren als sonst.

An Tag 5 war ich verabredet. Zum Tennis. Mit einer Freundin, die deutlich besser spielt als ich. Ich wusste also schon vorher, dass ich mich mit ihr würde anstrengen müssen. Aber ich mag Herausforderungen und die Stunde startete super. Ich traf den Ball so gut wie schon lange nicht mehr und meine Freundin zog mich mit ihren schnellen Schlägen mit. Cool, dachte ich, bevor wir nach 15 Minuten die erste Trinkpause machten.

Als wir danach weiter spielten, lief bei mir allerdings gar nichts mehr. Ich hatte große Konzentrationsschwierigkeiten und meine Kraft ließ deutlich nach. Es dauerte einen Moment, bis mir klar wurde, was los war und dass ich jetzt leider nicht einfach ein Sportgetränk trinken oder einen der üblichen Energy-Riegel essen konnte. Beides enthält natürlich Zucker. Blöde Sache, die sich ad hoc aber nicht lösen ließ, denn ich hatte tatsächlich nur Wasser dabei. Insofern ging diese Tennisstunde für mich sehr unbefriedigend zuende.

Zweite Erkenntnis nach fünf Tagen: wer keinen Zucker (und damit wenig Süßes) isst und sportliche Leistungen vollbringen möchte, der muss gut vorplanen. Denn die schnell verfügbaren Kohlenhydrat-Reserven des Körpers sind in so einer Situation schneller verbraucht als sonst.

Tag 6 war ein Samstag und ich backte Kuchen und Muffins für eine Kochpräsentation. Dabei verwendete ich meine normalen Rezepte, in denen mit Rohrohrzucker gesüßt wird. Es sind keine großen Mengen, die da rein kommen, aber es ist halt Zucker. Irgendwie blöd, wenn man backt und noch nicht mal den Teiglöffel ablecken kann…

Tag 7 ging mit einem Konzert zu Ende. Hilfe, was kann ich hier trinken? Aperol Spritz? No. Gin tonic? No. Mojito? Doppel-No. Trockenen Weißwein? Gab’s nicht. Bier? Mag ich nicht. Cola, Fanta etc.? Bloß nicht! Cola zero? Ist auch nicht besser. Apfelschorle? Weiß nicht… zählt der viele Zucker, der natürlicherweise in Apfelsaft drin ist, jetzt etwa nicht? Ich fand, jetzt wurde der Zuckerverzicht langsam ein bisschen anstrengend – weil: spaßgebremst.

Mein Fazit nach der ersten Woche

Wenn man, so wie ich, sowieso die meisten Mahlzeiten frisch kocht, bezieht sich Zuckerverzicht eigentlich nur auf Süßigkeiten und süße Getränke. Mit ein bisschen gutem Willen und Disziplin kann man das aushalten. Es gibt genug natürlich süße Alternativen. Für Menschen, die viel Fertigprodukte benutzen, ist es sicher schwieriger, denn hiervon sind plötzlich eine Menge Produkte tabu.

Ich persönlich merke die Umstellung im Alltag bislang körperlich überhaupt nicht – weder positiv noch negativ. Einzig beim Sport heißt es für mich: besser vorsorgen und einen Haferflocken-Shake sowie Apfelschorle anstelle von reinem Wasser im Gepäck haben.

Mal sehen, was die nächste Woche bringt… Hier geht es zu Woche 2.

Hast du vielleicht auch schon einmal versucht, dich ohne Haushaltszucker zu ernähren? Schreib mir gerne deine Erfahrungen unten als Kommentar!

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6 Comments

  • Reply
    Isabelle
    2. September 2017 at 20:46

    Liebe Alexa,
    nachdem ich Fructose- und Sorbitunverträglich festgestellt habe, wurde mir empfohlen, mich eine Weile ohne Zucker zu ernähren. Ich habe keine Lebensmittel mehr mit Haushaltszucker gegessen, Obst komplett weggelassen und nur Gemüse mit wenig Fruchtzuckeranteil. Kleine Mengen Schokolade durfte ich zum Glück in Form von fruktosefreien Produkten essen. Zwei Wochen habe ich absolut ohne Zucker gegessen. Nur Brot, von dem ich sicher wusste es ist kein Zucker drin, kein Obst, kein Gemüse. Ich habe in dieser Zeit einiges abgenommen, obwohl ich vorher auch Normalgewicht hatte. Gegen Ende war ich körperlich platt und erschöpft.
    Mein Beispiel ist sicherlich ein Extrem. Ich denke, es ist sinnvoll darauf zu achten in wie vielen Lebensmitteln Zucker versteckt ist, den man eigentlich nicht essen will. Den Süßigkeitenkonsum kann man auch überdenken. Aber ein kompletter Verzicht auf Zucker muss man, wenn man keine Probleme hat, nicht auf sich nehmen!
    Ich finde es sehr interessant zu lesen, wie du den Verzicht erlebt hast!
    Liebe Grüße
    Isabelle

    • Reply
      Dr. Alexa Iwan
      4. September 2017 at 8:38

      Liebe Isabelle,
      das ist sehr interessant, was du schreibst. Ich bin jetzt am Ende von Woche 2 bzw Anfang von Woche 3. Ich habe „nur“ auf reinen Haushaltszucker und Produkte mit zugesetztem Zucker (was bei mir hauptsächlich Getränke, Kuchen, Süßigkeiten sind, denn ich verwende ja gar keine Fertigprodukte) verzichtet. Obst als natürliche Zuckerquelle habe ich weiterhin gegessen.
      Aber mir geht es sehr ähnlich wie dir. Sobald die Dinge etwas anstrengender werden, fühle mich in meiner Leistungsfähigkeit sehr eingeschränkt. Sport macht mir unter diesen Umständen überhaupt keinen Spass. Und was mir am allermeisten zu denken gibt: ich hatte neulich einen richtigen kleinen Heißhungeranfall. So etwas kenne ich normalerweise gar nicht. Ich hatte vorher wirklich NIE Heißhunger auf irgendetwas. Aber an dem Nachmittag bin ich echt rastlos durch die Wohnung getigert.
      Mal sehen, wie die letzte Woche läuft, dann werde ich ein Fazit ziehen. Ganz liebe Grüße, Alexa

  • Reply
    Kathrin
    5. September 2017 at 21:12

    Liebe Alexa, auch ich bin gespannt wie es weiter geht und wie du dich fühlst.

    Ganz so streng, wie du das jetzt machst, wollte ich das nicht angehen. Für mich hatte ich festgestellt, dass ich mit den Jahren immer mehr versteckte Süssigkeiten gegessen hatte (2 – 3 Kekse zu jedem Kaffee, Abends Schokolade und ab und zu Kuchen). Das summierte sich einfach so und der Drang dauerend Lust auf Süsses zu haben bewegte mich dazu, es auszuprobieren mal ganz ohne Süsses auszukommen. Das Müsli ohne Zucker schmeckte zuerst fade, aber wie auch du sagst, man sich schnell umgewöhnt. Aber sonst war es am Anfang sehr hart ohne Süssigkeiten und dieser dauernde Heisshunger auf irgend etwas liess mich fast scheitern.
    Weisses Mandelmus (ohne Zusätze) hat mich dann gerettet. 1 – 2 Teelöffel stillte sofort den Wunsch nach Süssem.
    Vielfach war der Drang nach Süssem auch oft nur normaler Hunger. Wenn ich dann zuerst meine normale Mahlzeit ass, hatte ich wieder meine Ruhe. Oder wenn es noch zu früh für die nächste Mahlzeit war, ass ich Vollkornkräcker oder eine Frucht anstatt Kekse und Schokolade. Das war für mich wie ein Aha-Erlebnis.
    Nach einem Monat ging ich alles dann wieder lockerer an und ich ass bei Einladungen wieder Dessert und am Wochenende Marmeladenbrote zum Frühstück. Inzwischen esse ich seit 6 Monaten nur ganz selten etwas Süsses und es geht mir super. Meine Hauptmotivation war und ist natürlich mein Gewicht. Einige Kilos haben sich in dieser Zeit verabschiedet und die will ich unter keinen Umständen wieder sehen.
    Herzliche Grüsse Kathrin

    • Reply
      Dr. Alexa Iwan
      6. September 2017 at 8:50

      Hallo Kathrin,
      danke für deinen Erfahrungsbericht!
      Ich denke, du machst es jetzt genau richtig. Sehr bewusst mit Zucker umgehen, aber dabei nicht verbissen und dogmatisch sein.
      Ich stelle auch fest, dass es für mich durchaus möglich ist, auf Süßigkeiten komplett zu verzichten –- dass es aber Situationen im Leben gibt, wo ich dies a) gar nicht wirklich für sinnvoll halte und b) mitunter auch persönlich gar nicht möchte.
      Mehr dazu dann auch in meinem Bericht zu Woche 2, den ich gerade schreibe 😉
      Viele Grüße
      Alexa

  • Reply
    Drei Wochen ohne Zucker: mein Selbstversuch (Woche 2) - good food blog
    9. September 2017 at 7:59

    […] Wenn du lesen möchtest, wie es mir in der ersten Woche meines Experimentes ergangen ist, dann klicke hier. […]

  • Reply
    Drei Wochen ohne Zucker: mein Selbstversuch (Woche 3) - good food blog
    15. September 2017 at 15:55

    […] der Reihe nach. Wenn du den Anfang nicht mitbekommen hast, findest du hier meine Protokolle von Woche 1 und Woche 2. Und nun erzähle ich dir, wie es mir in der dritten Woche ergangen […]

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